Für SEOs und Webseitenbetreiber heißt das erst einmal: Es lohnt sich, die Google-Dokumentation noch einmal in Ruhe zu lesen. Die wichtigsten Punkte fassen wir hier zusammen.
Was Google unter Main Content versteht
Google definiert den Main Content als jeden Teil einer Seite, der direkt dazu beiträgt, dass die Seite ihren Zweck erfüllt. Das ist bewusst weit gefasst. Gemeint ist nicht nur der Fließtext eines Artikels, sondern alles, wofür ein Nutzer die Seite tatsächlich aufruft:
Texte, Bilder und Videos
interaktive Elemente wie Rechner und Tools
Beiträge von Nutzern, etwa Bewertungen oder Kommentare
Seitentitel und Überschriften, die das Thema zusammenfassen
Alles andere, also Navigation, Werbung, Teaser und Footer, gehört nicht dazu. Die Frage, die Google stellt, ist damit sehr einfach: Wie gut ist der Teil der Seite, wegen dem jemand überhaupt gekommen ist?
Marie Haynes liest aus der Überarbeitung außerdem die Empfehlung heraus, die eigentliche Antwort an den Anfang zu stellen, statt Nutzer erst durch lange Einleitungen scrollen zu lassen. Das deckt sich mit dem, was wir in der Praxis ohnehin sehen: Seiten, die schnell zum Punkt kommen, funktionieren besser. Das gilt für die klassische Suche genauso wie für AI Overviews und den AI Mode.
Vier Merkmale, an denen Google guten Main Content festmacht
Google benennt vier Eigenschaften, die über die Qualität des Hauptinhalts entscheiden. Keine davon ist neu, aber so deutlich standen sie bisher nicht nebeneinander.
Merkmal | Was Google darunter versteht | Was dagegen spricht |
|---|---|---|
Aufwand | Erkennbare menschliche Arbeit: eigene Analysen, manuelle Recherche, selbst gebaute Tools | Seiten aus Feeds oder KI-Texte ohne menschliche Kontrolle |
Originalität | Informationen oder Sichtweisen, die es so nicht schon auf anderen Websites gibt | Zusammenfassungen fremder Inhalte, auch mit Quellenangabe |
Können und Erfahrung | Das Wissen oder die praktische Erfahrung, die das Thema verlangt | Texte von Autoren ohne erkennbaren Bezug zum Thema |
Genauigkeit | Sachlich korrekte Inhalte, bei YMYL-Themen im Einklang mit dem Expertenkonsens | Ungeprüfte Behauptungen und Fehler |
Wichtig beim Punkt Können und Erfahrung: Google verlangt nicht immer formale Qualifikationen. Bei vielen Themen zählt die eigene, gelebte Erfahrung mehr als ein Titel. Bei Gesundheit, Finanzen und Sicherheit sieht das anders aus, dort legt Google die Messlatte deutlich höher.
Beim Thema KI bleibt Google bei seiner bekannten Linie. Der Einsatz von KI ist erlaubt, problematisch wird er dort, wo Inhalte in erster Linie für Rankings produziert werden und niemand mehr prüft, was veröffentlicht wird. Marie Haynes weist in ihrer Analyse ausdrücklich auf ungeprüfte KI-Halluzinationen als Risiko hin. Wer KI-Texte ohne Faktencheck online stellt, verstößt also gleich gegen zwei der vier Merkmale: Aufwand und Genauigkeit.
Erfundene Autoren sind ein Qualitätsproblem
Deutlicher als bisher äußert sich Google zur Autorenschaft. Empfohlen werden klare Autorenangaben mit Hintergrundinformationen zur Person. Erfundene Profile dagegen, also KI-generierte Porträtfotos, falsche Namen oder ausgedachte Qualifikationen, wertet Google als Täuschung, die das Vertrauen in die gesamte Seite beschädigt.
Das ist konsequent. Trust ist laut Google der wichtigste Bestandteil von E-E-A-T, und wer bei der Frage „Wer hat das geschrieben?“ täuscht, dem glaubt man auch den Rest nicht. Betroffen sind vor allem Projekte, die skaliert Inhalte veröffentlichen und dafür Experten-Personas angelegt haben.
Tabs und Akkordeons zählen zum Main Content
Eine Frage, die in SEO-Kreisen seit Jahren diskutiert wird, beantwortet Google jetzt recht klar: Inhalte in Tabs und aufklappbaren Bereichen gehören zum Main Content, wenn sie direkt den Zweck der Seite erfüllen. Google nennt als Beispiele Produktspezifikationen und Nutzerbewertungen.
Entscheidend ist, dass Nutzer diese Inhalte auch tatsächlich finden und öffnen. Marie Haynes empfiehlt, das mit Heatmaps zu prüfen. Ein Akkordeon, das niemand aufklappt, hilft weder dem Nutzer noch dem Ranking. Kritische Informationen gehören deshalb sichtbar auf die Seite.
Warum diese Dokumentation mehr ist als ein Ratgeber
Der interessanteste Teil der Analyse von Marie Haynes ist ihre Einordnung. Aus ihrer Sicht unterschätzt die Branche dieses Dokument. Google arbeite nicht mit fest einprogrammierten Regeln, sondern trainiere Machine-Learning-Systeme darauf, hilfreiche Inhalte zu erkennen. Die Grundlage dafür liefern menschliche Quality Rater, die Seiten anhand genau solcher Kriterien bewerten.
Folgt man dieser Logik, beschreibt die Dokumentation nicht nur, was Google sich wünscht. Sie beschreibt, wonach die Systeme suchen. Wer seine Inhalte daran ausrichtet, optimiert also nicht auf einen einzelnen Faktor, sondern auf das Ziel, auf das Google seine Modelle trainiert.
Haynes verbindet das mit einer Prognose: Google habe mit Gemini 4 Argon ein neues Basismodell angekündigt, und leistungsfähigere Modelle seien in der Vergangenheit häufig größeren Ranking-Verschiebungen vorausgegangen. Sie rechnet deshalb mit einem baldigen Core Update. Wichtig: Das ist ihre Einschätzung, keine Ankündigung von Google. Wie so oft lässt Google offen, wann und in welchem Umfang die nächste größere Anpassung kommt.
Was Sie jetzt tun sollten
Ein Grund zur Panik ist die Überarbeitung nicht. Sie ist aber ein guter Anlass, die eigenen Inhalte nüchtern zu prüfen. Sinnvoll ist, mit den Seiten zu beginnen, die den meisten organischen Traffic bringen:
Hauptinhalt identifizieren: Was ist auf der Seite der Teil, wegen dem Nutzer kommen? Steht er oben oder erst nach drei Absätzen Einleitung?
Austauschbare Inhalte finden: Welche Seiten sagen nur, was zehn andere auch sagen? Hier fehlen eigene Daten, eigene Beispiele oder eine eigene Einschätzung.
KI-gestützte Inhalte gegenlesen: Jede Zahl, jedes Zitat und jede Quelle prüfen, bevor ein Text online geht. Bei bestehenden Texten lohnt sich ein nachträglicher Faktencheck.
Autorenangaben aufräumen: Echte Personen mit nachvollziehbarem Hintergrund nennen. Erfundene Profile entfernen.
Tabs und Akkordeons auswerten: Per Heatmap oder Event-Tracking prüfen, ob Nutzer die versteckten Inhalte öffnen. Wichtige Informationen bei Bedarf sichtbar platzieren.
Expertise passend zum Thema belegen: Bei YMYL-Themen fachliche Qualifikation zeigen, bei Erfahrungsthemen die eigene Praxis.
Wer nach einem Core Update bereits Sichtbarkeit verloren hat, sollte sich keine schnelle Erholung versprechen. Verbesserungen am Main Content wirken, aber in der Regel erst mit einem der nächsten größeren Updates.
Quellen
Marie Haynes: Google changed their helpful content guidelines to emphasize good „Main Content“ , 2. Oktober 2026
Google Search Central: Creating helpful, reliable, people-first content , zuletzt aktualisiert am 1. Oktober 2026



